Zirkuläres Bauen braucht kleine Schritte

Zirkuläres Bauen braucht kleine Schritte
Die 2021 eröffnete Einheit Sprint im Empa-Experimentalbau NEST in Dübendorf wurde nach den Regeln zirkulären Bauens errichtet. Damit die Materialien beim Rückbau wieder sortenrein getrennt werden können, kamen beim Bau der Sprint-Unit grösstenteils Verschraubungen zum Einsatz. Bild: Martin Zeller/Empa

Ressourcenmangel und Wirtschaftlichkeit zwingen auch die Baubranche zur Kreislaufwirtschaft. Um diese realisieren zu können, braucht es laut einer Mitteilungeine Vielzahl kleiner, aber zuverlässiger Schritte. Forschende der Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt (Empa) und der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich (ETH) haben hierfür einen Massnahmekatalog entwickelt.

Die Ausgangslage ist, dass 82,5 Prozent des Abfallaufkommens in der Schweiz aus Bauabfällen bestehen. Jedoch werden nur 14 Prozent aller verbauten Materialien aus rezyklierten Baustoffen gewonnen. Hier setzt der Massnahmekatalog an. Er zeigt auf, welche Möglichkeiten heute schon bestehen, an welchen Stellen Veränderungen vorzunehmen wären. So können Türen, Heizkörper, Sanitärobjekte oder Stahlträger, die sich leicht ausbauen lassen, in Sanierungen oder Neubauten wiederverwendet werden. Dazu müssten sie geprüft und neu zertifiziert werden. Künftig soll daher ein digitaler Produktpass diese Informationen festhalten und das Bauteil wie ein Reisepass durch seine Lebenszyklen begleiten, heisst es in der Mitteilung.

Bei der Nachfrageseite braucht es eine flexible Planung und einen anpassungsfähigen Entwurf, der Rückbaufachleute rechtzeitig einbindet. Ein hybrider Marktplatz, der digitale Plattformen und Lager verbindet, könnte die Kreislaufwirtschaft fördern. Wichtig für die Umsetzung solcher Pläne sind jedoch Menschen, die Zeit und Geld in eine solche Zirkularwirtschaft investieren. Die Forschenden zielen mit den aufgezeigten Handlungsansätzen deshalb nicht auf die grosse Komplettlösung ab, sondern setzen sich für einen Weg der kleinen Schritte und der vielen Beteiligten ein. ce/ww