ETH-Studie könnte Hürden für CO2-armen Beton abbauen

ETH-Studie könnte Hürden für CO2-armen Beton abbauen
Stahlbeton altert je nach Klima unterschiedlich; die Normen sollten entsprechend angepasst werden. Symbolbild: Benny Staehr/Pexels

Ein Team der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich (ETH) arbeitet an einem einfach durchzuführenden Klimatest für Stahlbeton. Ein solcher Test könnte künftig zeigen, welcher CO2-arme Beton an welchem Standort langfristig geeignet ist, ohne jahrzehntelang auf Erfahrungen aus realen Bauwerken zu warten. Eine blosse Einschätzung der Feuchtigkeit an einem Ort reicht einer internationalen Studie unter Beteiligung von ETH-Forschenden zufolge nicht aus und benachteiligt umweltfreundlichere Betonarten.

Das von dem Team bereits entwickelte Verfahren weist aber deutlich darauf hin, dass die heutigen europäischen Normen zur Beurteilung des Klimaeinflusses auf die Rostanfälligkeit von Stahlbeton zu kurz greifen. „Das Klima spielt eine viel grössere Rolle, als wir erwartet haben“, wird Ueli Angst, Professor für die Dauerhaftigkeit von Werkstoffen an der ETH, in einer Mitteilung zitiert. „Derselbe Beton kann sich in einem anderen Klima völlig anders verhalten.“ Trotzdem ordnen heute europäische Normen etwa die vier Untersuchungsstandorte Zürich, Bergen (Norwegen), Manaus (Brasilien) und Huailai (China) derselben Kategorie „wechselnd nass und trocken“ zu.

Doch zeigt sich sich bei Bergen und Manaus, dass der Stahl trotz derselben jährlichen Regenmenge unterschiedlich schnell rostet. Entscheidend ist nämlich laut der ETH-Studie, wie sich Regen- und Trockenphasen abwechseln. Zudem zeigte die Modellrechnung des Teams, dass CO2-arme Betonarten an bestimmten Standorten 50 Jahre oder länger halten als an anderen. Statt überall denselben Beton nach denselben Regeln einzusetzen, müsse man künftig stärker berücksichtigen, wo ein Bauwerk steht.

„Die aktuellen Normen können dadurch zu einem Hindernis für neue und umweltfreundlichere Materialien werden“, so Angst. Der neue Ansatz könnte den Angaben zufolge solche Hürde abbauen. Denn viele heutige Prüfverfahren wurden für herkömmliche Zemente entwickelt und werden den spezifischen Eigenschaften klimafreundlicher Betonarten nicht mehr gerecht. Nun wollen Angst und sein Team auch mit Blick auf den Klimawandel ein einfaches und schnelles Verfahren zur Risikoabschätzung entwickeln. ce/mm