Schweizer Wolle wird als Alternative zu synthetischen Planen auf Gletschern getestet

Schweizer Wolle wird als Alternative zu synthetischen Planen auf Gletschern getestet
Schafwolle könnte die bisher verwendeten synthetischen Geotextilien auf Gletschern ersetzen. Symbolbild: Pexels/Christian Buergi.

Das Projekt Keep It Wool der Summit Foundation aus Vevey und der Universität Lausanne (UNIL) untersucht, ob Schweizer Schafwolle die bisher verwendeten Geotextilien aus Polyester oder Polypropylen auf Gletschern ersetzen kann. Geotextilien werden laut einer Mitteilung eingesetzt, um das Abschmelzen bestimmter Gletschergebiete im Sommer zu verlangsamen. Es handelt sich dabei um Abdeckungen, welche einen Teil der Sonnenstrahlung reflektieren und den Wärmeaustausch begrenzen. Die Fasern der Geotextilien lösen sich jedoch unter dem Einfluss von Wind und Abnutzung und können vom Schmelzwasser flussabwärts in den Wasserkreislauf gespült werden.

Laut Laurent Thurnheer, Direktor und Gründer der Summit Foundation, ist Wolle ein besonders interessanter Kandidat als Alternative zu den synthetischen Planen. „Sie ist ein lokaler, natürlicher Rohstoff, der derzeit weitgehend unterbewertet ist“, erklärt er in der Mitteilung. „Wir könnten ihr eine neue Bedeutung geben und gleichzeitig unsere Abhängigkeit von synthetischen Materialien verringern.“

Wolle bietet entscheidende Vorteile. Sie ist natürlich, erneuerbar, biologisch abbaubar und isolierend. Zudem birgt sie in der Schweiz ein weitgehend unerschlossenes Marktpotenzial, da Schafe für Fleisch, Milch oder zur Landschaftspflege gehalten werden und die Wolle als minderwertiges Nebenprodukt gilt. Schätzungen zufolge werden heutzutage bis zu 70 Prozent der Wolle verbrannt oder kompostiert.

Am 22. Juni wurden zwei Prototypen unterschiedlicher Dicke und einer Oberfläche von 100 Quadratmetern im Glacier 3000 im Kanton Waadt installiert. Die Prototypen aus Schafwolle wurden von der Fisolan AG aus Worb hergestellt, die seit 2012 Schweizer Schafwolle zu Gebäudedämmung verarbeitet. Zum Vergleich wurde eine herkömmliche Geotextildecke verwendet. Seitdem werden alle zwei Wochen Messungen durchgeführt, um die Haltbarkeit des Materials und seine Fähigkeit, das Schmelzen zu begrenzen, zu beurteilen. Erste Beobachtungen zeigen laut der Summit Foundation eine sehr ähnliche Leistung von Wolle und Geotextil.

Das Projekt, das 2025 in Partnerschaft mit dem Interdisziplinären Gebirgsforschungszentrum (CIRM) der UNIL ins Leben gerufen wurde, wird von vier Masterstudierenden der UNIL in Zusammenarbeit mit der Filature de l'Avançon Association, der Fisolan AG und Wissenschaftlern des Schweizerischen Gletschermessnetzes (GLAMOS) sowie mit Unterstützung von Innosuisse durchgeführt. ce/aj