Die Eidgenössische Materialprüfungs- und Forschungsanstalt (Empa) hat gemeinsam mit dem ebenfalls in Dübendorf ansässigen Wasserforschungsinstitut des ETH-Bereichs (Eawag) und dem landwirtschaftlichen Kompetenzzentrum des Bundes (Agroscope) erstmals nachgewiesen, dass in der Schweiz pro Jahr unterhalb von 2000 Metern Höhe 219 Tonnen Plastikpartikel aus der Atmosphäre auf Böden, Pflanzen und in Gewässer gelangen. Dabei handelt es sich um Luftfremdstoffe, die aus Verpackungsmaterial, losen Fasern von Funktionskleidung oder weggeworfenen PET-Flaschen stammen.
„Wir wollten Zahlen für die Schweiz erheben und eine Analytik verwenden, die möglichst verlässliche Ergebnisse liefert“, wird Christoph Hüglin von der Empa in einer Mitteilung zitiert. Dafür nutzte das Team das gemeinsame Partikellabor von Eawag, Empa und Agroscope.
Am häufigsten fanden die Forschenden PET (31 Prozent), Polyethylen (26 Prozent) und Polypropylen (21 Prozent). Sie kommen in Verpackungen, Folien, Behältern und Alltagsprodukten vor. PET-Partikel können aus Plastikflaschen, aber auch aus Funktionskleidung stammen. Reifenabrieb wird in einer separaten, noch laufenden Studie erfasst.
Die an den fünf Messstandorten Dübendorf, Magadino TI, Payerne VD, Chaumont NE und Zürich erhobenen Daten erstaunten das Team. Zwar war zu erwarten, dass der urbane Standort Zürich eine doppelt so hohe Belastung wie ländliche Messpunkte aufwiesen. Dass jedoch alle Standorte ausserhalb Zürichs dieselbe Belastung aufweisen, nicht. Das deutet darauf hin, dass Mikroplastik alle Regionen ausserhalb von Städten gleichermassen erreicht, unabhängig von ihrer Distanz zu Städten.
„Kunststoff ist für viele Anwendungen ein sehr gutes Material“, so Hüglin. „Aber gemäss dem Vorsorgeprinzip sollten wir Littering vermeiden, Kunststoffe gezielt nur dort wo nötig einsetzen und Stoffkreisläufe möglichst schliessen.“ ce/mm