Ueberlandpark in Zürich: Ein öffentlicher Park auf dem Dach der Autobahn A1

Video von Streetscapes zum Ueberlandpark in Zürich (auf Englisch)

Mehr als 120'000 Fahrzeuge fahren täglich auf der Autobahn A1 durch das Zürcher Quartier Schwamendingen. Jahrzehntelang trennte die Strasse das Quartier und brachte ständigen Verkehrslärm bis wenige Meter vor die Wohnhäuser. Im März 1999 lancierten Anwohnerinnen und Anwohner eine Volksinitiative zur Einhausung der Autobahn, worauf die Stimmbevölkerung in Abstimmungen die Finanzierung bewilligte.

Nach mehr als zwei Jahrzehnten schloss der Rohbau 2024 ab; nach der technischen Abnahme und der abschliessenden Bepflanzung wurde die Anlage im Mai 2025 offiziell eröffnet. Statt einer einfachen Lärmschutzwand entstand eine Überdeckung aus Beton, direkt darüber der öffentliche Ueberlandpark. Der YouTube-Kanal Streetscapes stellt die Ingenieurleistung und die Gestaltung des Projekts in einem Video vor, mit Bildmaterial von Grün Stadt Zürich.

Bauen bei laufendem Verkehr und auf dünner Erdschicht

Die Autobahn verläuft dabei nicht unterirdisch, sondern auf Strassenebene durch eine grosse Betoneinhausung. Daneben erschliessen Seitenstrassen die umliegenden Gebäude und den Park auf dem Dach. Das Bauwerk trägt nicht nur die Grünanlage, sondern nimmt auch Lüftungssysteme, Entwässerung, Stromnetze und ein neues Gebäude auf. Weil die A1 für die Bauarbeiten nicht gesperrt werden konnte, wurde in Etappen bei laufendem Verkehr gebaut: Zuerst entstand die westliche Hälfte, danach wurde der Verkehr darauf verlegt und die östliche Seite errichtet. Verbaut wurden 65'000 Kubikmeter Stahlbeton und 232 vorfabrizierte Betonträger mit einer Länge von bis zu 37 Metern.

Auf dem Betondach zählt jeder zusätzliche Zentimeter Erde für die Statik. Damit die Bepflanzung überlebt, ohne die Tragfähigkeit der Einhausung zu überschreiten, ist die Erdschicht zwischen 31 und 81 Zentimeter tief. Gepflanzt wurden trockenheitsresistente Arten, die zugleich die Biodiversität im Gebiet fördern. Auch Bäume wurden gesetzt; wegen des begrenzten Wurzelraums bleiben sie relativ klein.

Bei einer Länge von 950 Metern und einer Breite von 30 Metern folgt der Park einem linearen Grundriss. Entlang der durchgehenden Grünzonen gliedert er sich in drei Gärten, drei Wiesen, zwei Spielplätze mit Belägen aus Holz und Sand respektive Gummi und Sand, einen Platz mit Blick auf die Autobahn sowie einen zentralen Platz. Eigens für den Ueberlandpark entworfene modulare Sitzbänke, teils mit Schattendächern für heisse Sommertage, stehen bei den Bäumen und entlang der zwei Kieswegnetze: einer Hauptroute für Fuss- und Veloverkehr sowie schmaleren, ruhigeren Nebenwegen. Trinkbrunnen liefern rund um die Uhr ohne Knopf oder Sensor frisches Wasser. Im Zentrum liegt ein grösseres Wasserspiel, daneben als einziges Gebäude ein Pavillon mit Café, dessen Dach vollständig mit Solarpanels bedeckt ist und mehr Energie erzeugt, als das Gebäude verbraucht.

Vier Verkehrsebenen und neue Verbindungen im Quartier

Damit die Seitenwände der Einhausung auf Strassenebene nicht wie eine kahle Betonbarriere wirken, wurden am Fuss schnell wachsende Kletterpflanzen gesetzt. Wo eine Begrünung nicht praktikabel war, wählten die Planer Waschbeton, dessen raue Struktur und Farbe an Naturstein erinnern. Aus demselben Beton bestehen auch kleine Bauten oben im Park, in denen Ventilatoren für den Rauchabzug bei einem Notfall im Tunnel verborgen sind.

An beiden Enden führen flach geneigte Rampen für den Fuss- und Veloverkehr auf den Park, dazwischen verbinden weitere Zugänge die umliegenden Strassen mit dem Dach. Unter den Rampen sind regengeschützte Veloabstellplätze eingerichtet, und im nördlichen Abschnitt führt eine Röhrenrutsche ohne Altersbeschränkung zurück auf die Strassenebene. Im Herzen des Projekts treffen vier Ebenen aufeinander: der Park oben, die Autobahneinhausung in der Mitte, die Seitenstrassen daneben sowie auf der untersten Ebene der Tramtunnel Milchbuck-Schwamendingen (Linien 7 und 9, Haltestelle Ueberlandpark, vormals Schörlistrasse) und die Unterführungen unter der Autobahn. Bei der Querung unter der Einhausung ist der motorisierte Verkehr über unterschiedliche Gefälle vom Fuss- und Veloverkehr getrennt: Velos nutzen eine flache Steigung, während Autos einer steileren Route folgen, die genügend Durchfahrtshöhe für grössere Fahrzeuge schafft. Daneben führen ein Lift, eine Treppe und eine Rampe in den Park. Rund um die Anlage entstehen zudem neue Wohnbauten; ein kurz vor der Fertigstellung stehendes Gebäude ist über zwei Fussgängerbrücken über die Seitenstrassen direkt mit dem Park verbunden.

Der Ueberlandpark gilt als teuerste Lärmschutzmassnahme der Schweiz. Die Kosten teilten sich die Stadt Zürich, der Kanton Zürich und der Bund, der den grössten Anteil übernahm. Für Streetscapes zeigt das Projekt einen Weg für Städte, in denen sich eine Stadtautobahn nicht wie im niederländischen Utrecht ganz zurückbauen lässt: Die Auswirkungen einer bestehenden Autobahn werden reduziert, während darüber neuer öffentlicher Raum entsteht, der das Quartier wieder zusammenführt.

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