Das Gitterrostgeländer im Projekt LysP8 stammt aus einem Gefängnis in Zürich. Dort dienten die Elemente zuvor als Betten. Die Fassade besteht aus gebrauchten Ziegeln, die Küchen kommen aus einer Wohnsiedlung in Zürich. Gartenplatten, wie sie in jeder Wohnsiedlung herumliegen, lassen sich einsammeln und wieder verlegen, statt neue zu bestellen. BaselCircular stellt das Projekt in einem Video-Spotlight vor.
Die Prioritäten umgedreht
Normalerweise steht der Termin- und Kostendruck an erster Stelle. Bei LysP8 wurde das umgedreht und die Nachhaltigkeit nach vorne gesetzt. ReUse war von Anfang an ein Thema: Die Stiftung Habitat legte schon im Wettbewerb Wert darauf, dass die Teams damit arbeiten. Das Architekturbüro Loeliger Strub nutzte Bauteile als Quelle für seinen Entwurf. Danach wurde gezielt nach jenen Bauteilen gesucht, die im Projekt weiterverfolgt werden sollten.
Die Fassade ist das Markenzeichen des Projekts. Von Anfang an war geplant, mit gebrauchten Ziegeln zu arbeiten und sie sichtbar zu zeigen. Die Ziegel stammen aus unterschiedlichen Abbruchobjekten und unterscheiden sich deshalb in Erscheinung und Patina. Für das Projekt ist das ein Mehrwert, kein Nachteil.
Am Geländer zeigt sich ein Prinzip, das für das Projekt sehr wichtig war: Alles wurde so geplant, dass sich die Elemente einfach aneinanderreihen lassen, ohne angepasst werden zu müssen.
Frühe Entscheide als grösste Herausforderung
Die grösste Herausforderung: Entscheide mussten früh in der Planung getroffen werden, und alle mussten sich auf diesen Prozess einlassen. Als Beispiel dienen die Küchen: Über sie musste schon sehr früh entschieden werden. Es sind sehr robuste Stahlküchen von Forster mit Jahrgang 2000.
Die Motivation dahinter: Die Werte, die schon da sind, müssen besser geschützt und besser genutzt werden. Die Wiederverwendung ist eine Massnahme, die jetzt geschieht und nicht erst in 20 Jahren. Das Bauteil ist jetzt da, würde sonst weggeworfen, und man kann direkt handeln.
Im Moment lernen alle noch viel dazu und müssen verstehen, wo welche Massnahmen überhaupt sinnvoll sind. Dafür braucht es Beispiele. Für alle Beteiligten ist LysP8 ein sehr grosses Pilotprojekt. Es hat gezeigt, dass ReUse in einem komplexen Projektkontext sehr gut machbar ist, wenn alle mitmachen.
Für andere Bauprojekte nennt BaselCircular vier Schritte: bestehende oder abbruchreife Bauteile in der Nähe erfassen, Schlüsselelemente wie Küchen zu Projektbeginn festlegen, verschiedene Nutzungen von Bauteilen prüfen und die Logistik klären, also Rückbaupartner, Lagerung und Qualitätssichtung.
BaselCircular fasst es so zusammen: Mit frühen Entscheiden ist ReUse im komplexen Baukontext machbar.