Die Schweiz steht auf dem Weg von der linearen zur zirkulären Wirtschaft noch bei den Leuchtturmprojekten und Nischenanwendungen. Das hat die Veranstaltung „Wie die Schweiz den Wandel gestaltet – Kreislaufwirtschaft in Aktion“ gezeigt, die von GreenUp, Circular Economy Switzerland (CES) und dem Bundesamt für Umwelt (BAFU) am 21. Januar am Rande des Weltwirtschaftsforums in Davos durchgeführt worden ist.
Kreislaufwirtschaft sei nichts neues, sagte BAFU-Direktorin Katrin Schneeberger in ihrem einleitenden Referat. „Wiederverwertung ist einst eine Notwendigkeit gewesen. Nun müsse sie mit den Bedürfnissen der globalisierten Wirtschaft in Übereinstimmung gebracht werden. Das Parlament hat dazu im März 2024 die Revision des Umweltgesetzes verabschiedet. Sie verbessert die Rahmenbedingungen für die Wiederverwendung; der Bund kann auch entsprechende Vorgaben machen.
Diese politischen Rahmenbedingungen seien zentral auch für die Unternehmen, sagte CES-Präsident Philipp Rufer. Er verwies auf das gesetzlich verankerte Netto-Null-Ziel für 2050. Dieses betreffe nicht nur die Energie und die CO2-Speicherung, sondern auch die Ressourcen.
Laut Nicolai Diamant vom Amt für Wirtschaft und Arbeit des Kantons Basel-Stadt sehen bereits viele Unternehmen das Potenzial. Jetzt wollten sie dieses aber auch heben. Das Programm BaselCircularhelfe den Unternehmen auf dem Weg in die Zirkularität und schaffe ein entsprechendes Ökosystem in der Region.
Jessica List unterstrich, dass auf dem Weg in die Skalierung die Nutzerfreundlichkeit zentral sei. Die COO der Swiss Marketplace Groupverwies auf die unternehmenseigene Plattform ricardo.ch. Der Versand von eigenen Waren an Kaufende müsse für die Endnutzenden so hindernisfrei wie möglich gestaltet werden.
Moderatorin Dinie van der Heuvel, Mitgründerin der Kindermodemarke Infantium Victoria, verwies darauf, dass gerade zu Beginn der Wertschöpfungskette bereits viel geschehe. Das werde aber oft nicht sichtbar.
Julia Binder sieht die Kreislaufwirtschaft noch in der Nische. Sie sei skalierbar, wenn der konkrete Nutzen in den Vordergrund gestellt werde, etwa die Sicherheit der Lieferketten und die Versorgung mit Ressourcen. Dabei gehe es auch um kreislauffähige Geschäftsmodelle, aber auch um Marketing. „Zirkularität muss positiv überraschen“, so die Professorin für nachhaltige Wirtschaft am International Institute for Management Development (IMD) in Lausanne. ce/stk